Rasseportrait: Japan Terrier (Nihon Teria)
von
Simone Zollinger
©
Schweizer
Club für Terrier (SCFT)
Wir möchten Ihnen einen weiteren, erst seit kurzem durch den SCFT betreuten "Exoten" unter den Niederläufigen Terriern vorstellen:
Die uns bekannten japanischen Hunderassen sind
sicher die verschiedenen "Inus" wie Shiba, Akita, Tosa, sowie der
Japan Chin. Diese alteingesessenen Rassen wurden als Hof-, Schutz- und
Haushunde, und vorallem der Chin als Schoss- und Gesellschaftshunde gehalten.
Japan war bis zum 17. Jahrhundert sehr isoliert, d.h. unter dem damals
regierenden General durfte kein Fremder Japan betreten, aber es war auch keinem
Japaner erlaubt, das Land zu verlassen. Die einzige Ausnahme waren chinesische
und holländische Seefahrer, die mit ihren Schiffen im Hafen von Nagasaki
anlegten.
Terrier waren in Japan gänzlich unbekannt, bis um
1700 die eben genannten Seefahrer kleine, glatthaarige Terrier nach Nagasaki
mitbrachten. Der Überlieferung nach sollen es Glatthaar-Foxterrier gewesen
sein, wobei die extrem kurzhaarigen Hunde auf zeitgenössischen Zeichnungen und
Bildern eher Italienischen Windspielen glichen. Vorallem in Yokohama und Kobe
seien diese Seefahrerhunde mit einheimischen Hunden gekreuzt worden - über die
dazu verwendeten Rassen ist nichts bekannt. Das Ziel war aber eindeutig, einen
Schosshund herauszuzüchten. Die Hunde waren denn auch sehr grazil, klein,
hatten vereinzelt auch Charakterzüge eines Terriers und freuten sich alle,
trotz uneinheitlichem Typ, grosser Beliebtheit. Man nannte sie
"Kobe-Terrier" nach ihrer Herkunft, oder auch nach ihrer Farbe
"Mikado-Terrier" (= dreifarbig) oder "Gyuki-Terrier" (=
schneeweiss).
Im 20. Jahrhundert übernahm der Kaiser vom letzten
abtretenden Shogun (= General) wieder die Macht. Durch die vielen Handelsverträge
mit anderen Ländern und Staaten öffnete sich Japan aus seiner Isolation. Immer
mehr westliche Handelsschiffe legten in japanischen Häfen an. Mit ihnen kamen
auch mehr unterschiedliche Hunde ins Land - welcher Rasse sie angehörten und ob
sie sich mit den Kobe-Terriern kreuzten ist nirgends schriftlich festgehalten.
Mit Sicherheit weiss man aber, dass einer der Vorfahren der heutigen Japan
Terrier anfangs des 20. Jahrhunderts in die Stadt Kobe kam. Es war ein kleiner,
schwarzer Hund mit Namen "Kuro" und stammte aus dem Distrikt Noda. Er
war das "Resultat" einer Verpaarung von English Toy Terrier und Toy
Bullterrier.
Eine sehr kurzhaarige Kobe-Terrierhündin wurde mit
"Kuro" gepaart und die Welpen wurden bekannt als "Japan
Terrier". Es waren kleine Hunde vom Terriertyp mit sehr kurzem, ca. 2 mm
langem Haar. Vorallem im Osaka-Distrikt wurde die Rasse vereinheitlicht, ihr Typ
züchterisch gezielt gefestigt, sodass die Rasse um 1932 offiziell als "Nihon
Teria" anerkannt wurde. Sie wurde aber im zweiten Weltkrieg sehr schnell
und stark dezimiert. Nachdem sich die Rasse wieder erholt hatte, litt sie stark
unter den zahlreich importierten Rassen aus westlichen Ländern. Das
Weiterbestehen des Japan Terriers scheint heute gesichert zu sein, wird er doch
in Europa auch langsam bekannt und dank seiner Persönlichkeit beliebt.
Erschienen in "unser Terrier" Nr. 81 / Winter 2001